www.lichtenbroich-online.de

 

...und nachmittags zu Oma`s Geburtstag

Von Papa M. Max

 geschrieben 1981

Samstag, morgens 9:00 Uhr. Endlich mal richtig ausschlafen. Die Kinder (Sven 3J, Maike 5J) sind noch ruhig. Bei meiner Frau hole ich mir noch ein paar Kuscheleinheiten ab.

"Wo sind die Kinder?" fragt sie.
"Sind noch ruhig:"
"Ja, aber zu ruhig für 9:00 Uhr."
Sie schleicht von hinnen, macht die Türen zu den Kinderzimmern auf und tippelt dann die Treppe hinunter ins Wohnzimmer.

Ein markerschüttender, kurzer Aufschrei !

Soll ich nun aufstehen oder noch liegen bleiben bis sich die Wogen geglättet haben ? Ich mache mit mir selber einen Kompromiss und stehe l a n g s a m auf. Die Treppe herunterschreitend erblicke ich den offen stehenden Verbandskasten. In der Diele sind gleichmäßig verstreut: Verbandmull, Dreiecktücher, Sicherheitsnadeln, kleinere und größere Fetzen Pflaster und was sonst so alles in diesen Kästen ist.

Der dreijährige Zwerg hatte "Papa" gespielt. Meinen Rasierapparat für die Nassrasur hatte ich unvorsichtigerweise auf dem Waschbecken liegen gelassen. So kam es wie es kommen musste. Unsere Tochter Maike konnte jetzt ihrem Aktionsdrang freien Lauf lassen. Ihre Schwesterntracht von Weihnachten kam zu allen Ehren. Folgendes Bild bot sich den erschrockenen Eltern: Der Wohnzimmertisch war leer geräumt. Anstatt des Tischtuches lag dort jetzt das Betttuch aus dem Gästebett auf dem Tisch. Der Knirps hatte sich bereitwillig als "echter Patient" zur Verfügung gestellt und lag auf dem OP-Tisch - mit echtem Blut.

Zwischen Unterlippe und Kinn hatte sich Sven drei Schnitte zugefügt und erfreute sich der Fürsorge seiner Schwester und amüsierte sich über den Aufschrei seiner Mutter. Meine Frau übernahm jetzt die fachgerechte, medizinische Betreuung unseres Sohnes. Auf meinen Vorschlag, doch gleich die ganze Schnute zu verpflastern, um wenigstens für eine Stunde das Geplappere des Sohnes nicht hören zu müssen, ging meine Frau nicht ein.

Und das alles an Omas Geburtstag!

Gefrühstückt wurde heute etwas später. Der OP musste noch erst abgeräumt werden. Um 12:00 Uhr sollten wir bei Oma sein und Geburtstag feiern. Also auf - Blumen kaufen. Der Blumenhändler war froh als wir mit den blumenmordenden Kindern wieder verschwanden. Die Kinder in die Kindersitze des Autos gepackt, gefesselt und Fuß voll auf`s Gas. 12:00 Uhr Essen bei Oma - Die Zeit wird knapp.

Plötzlich schreit der Gnom los: "F e u e r !"

Ich steige mit voller Kraft auf die Bremse und höre nun wie die Tochter ihren Bruder belehrt:
"Quatsch, da ist nur viel Qualm im Kamin. Ich glaube da raucht einer eine dicke Zigarre."

Alles zu spät - mein Hintermann ist aufgefahren!

"Papa, Scheiße! - oder?"

Der Beamte von der Polizei nannte es anders:
"..unmotiviertes Bremsen"
Als ob der meine Motivation kennt.

Sohn kaputt
Auto kaputt
Versicherungsrabatt kaputt
Blumen kaputt

Omas Geburtstag werde ich so schnell nicht vergessen.